Die Wasserwacht Neutraubling – eine engagierte Mannschaft
„Mit Sicherheit am Wasser“ – damit tituliert die Wasserwacht ihre Homepage (https://wasserwacht-neutraubling.de/ ). Und ein treffenderes Motto hätten die 830 Mitglieder nicht wählen können. Denn in den Sommermonaten allein achten 40 Aktive verlässlich beim Wachdienst am Guggenberger See, am Roither Weiher und auch ganzjährig im Hallenbad mit Sicherheit darauf, dass wir sicher baden können.
Aber was macht die Wasserwacht eigentlich noch so? Wie ist die Gruppe strukturiert? Und brauchts wirklich ein neues Vereinsheim? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten und um die Arbeit und das ehrenamtliche Wirken der Gruppe besser kennenzulernen, besuchten interessierte „Aktiver Bürger“ die Wachstation an der Südseite des Guggis. Dort wurden wir von Vorstand Clemens Paap, dem stellvertretenden Vorsitzenden Jonathan Silber, dem Technischen Leiter Maximilian Braun und Konstantin Silber in Empfang genommen. Und dann kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Ja, die Wasserwacht ist eindeutig mehr als ein Schwimmverein. Sie ist ein Teil einer Rettungsorganisation mit klaren Hierarchien und Ausbildungsstrukturen, damit im Einsatzfall sehr schnell und mit klarer Aufgabenverteilung gehandelt werden kann. Im Katastrophenschutz ist sie ebenso eingebunden wie im Natur- und Gewässerschutz und im Wasserrettungsdienst. Sie ist höchst aktiv in der Jugendarbeit, veranstaltet Zeltlager und Bastelaktionen mit bis zu 80 Kindern. Von Mai bis September sind jedes Wochenende je mindestens drei entsprechend ausgebildete Helfer an den oben genannten Seen und im Hallenbad im Einsatz. Und die Wasserwacht bildet Trainer aus, die derzeit jeden Montag etwa 400 Kinder und Jugendliche im Schwimmen unterrichten, zusätzlich zu den reinen Schwimmlernkursen. Das Hallenbad bekommen sie dafür von der Stadt Neutraubling zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug leisten sie an den Wochenenden Hallenbaddienst und entlasten die Personalsituation vor Ort.
„2026 kommen wir bis jetzt auf etwa 9500 ehrenamtliche Helferstunden, davon entfallen etwa 2000 Stunden auf die Dienste im Hallenbad und an den Seen und der Rest auf Aktivitäten bei sonstigen Veranstaltungen“ führt der Technische Leiter Maximilian Braun aus. Sie alle schätzen den Zusammenhalt und die Freundschaften, die in der Wasserwacht entstehen.
Neutraubling und die umliegenden Gemeinden können sich glücklich schätzen, dass die Wasserwacht seit 1953 ein verlässlicher Partner vor Ort ist. Und doch brennen den Aktiven einige Themen unter den Nägeln, bei denen ihre Gemeinschaft auf die engagierte Unterstützung der Ortsgemeinschaften und Verwaltungen angewiesen sind. Der Platzmangel des 70 Jahre alten Vereinshauses am Neutraublinger See (Löschteich) ist legendär. Bei Vereinstreffen und Kinderaktionen platzt der Besprechungsraum aus allen Nähten, Platz für die umfangreiche Ausrüstung ist kaum vorhanden. „Wir haben alle unsere Einsatzkleidung im Kofferraum und ziehen uns entweder daheim oder auf
einem Parkplatz um, um keine Zeit zu verlieren“, erklärt stellvertretender Vorsitzender Jonathan Silber. Dringend bedarf es der Errichtung einer neuen Hauptrettungswache. Im Gespräch sei man mit der Stadt Neutraubling schon seit vielen Jahren. Nun habe man die leise Hoffnung, dass es mit einem Grundstück im Gewerbegebiet Nord klappe. „Den Plan für das Gebäude haben wir eigentlich. Jetzt verhandeln wir gerade darüber, ob wir ein Grundstück pachten können“, so Vorstand Paap. Ähnlich ermüdend seien die Diskussionen mit anderen Instanzen über einen Bootsliegeplatz an der Donau für rasche Einsätze. Seit 4 Jahren steht das Boot daher auf einem Anhänger beim Vereinsheim – im Einsatz kann dies zu Zeitverzögerungen führen, die anderen das Leben kosten können.
Die Aktiven Bürger ermutigten die Wasserwachtler, noch intensiver auch die umliegenden Gemeinden mit ins Boot zu holen – sowohl für die Planung als auch für die Finanzierung einer neuen Hauptwache. Bislang verzichtete die Vorstandschaft auch auf Vereinszuschüsse vonseiten der Stadt. Man komme ganz gut zurecht und wolle sich die Unterstützung lieber bei sehr großen, herausfordernden Investitionen einholen, sagen sie. Und man sei durch die alltäglichen Dienste und Fortbildungen durchaus so eingespannt, dass die Zeit fürs „Klinkenputzen“ und Werben für die gute Sache knapp ist.
Bleibt zu hoffen, dass viele Entscheidungsträger die Zeit finden, um ihrerseits der Wasserwacht das gleiche Engagement und die gleiche Verlässlichkeit und Unterstützung entgegenzubringen, wie die Wasserwachtler der Region.
Sabine Hrach