Das neue Hallenbad - Ein Millionengrab

Es war ein schwacher Auftritt, den Architekt Ditschuneit von den 4a-Architekten aus Stuttgart bei der letzten Stadtratssitzung abgab, darin waren sich die Redner aller Fraktionen einig. So einig, dass sogar der höfliche Applaus ausblieb, den eigentlich jeder Referent am Ende einer Präsentation in Empfang nehmen kann. Ditschuneit dagegen verließ bei drückender Stille den Sitzungssaal. Der Grund für die Einladung des europaweit agierenden Architekten war die Tatsache, dass sich die Kosten für das neue Hallenbad von Ausschreibung zu Ausschreibung weiter erhöhen und sich die Kosten damit deutlich von seinen Ausgangsberechnungen (die ja mit 22 Millionen ebenfalls weit über den Vorstellungen des Stadtrats lagen) entfernen. Auch waren einzelne Posten in seiner ursprünglichen Berechnung schlicht vergessen worden, was zu weiteren Kostensteigerungen führt.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Neubau des Hallenbads: Der Grundriss des Millionengrabes ist schon sehr gut erkennbar 
Foto: Ulli Lauterbach, bearbeitet Gerd Kelly

In seinem Vortrag führte der Architekt u.a. den steigenden Preis von Stahl und Stahlbeton an, der zur Zeit der Kostenschätzung 2018 noch nicht vorhersehbar gewesen sei. Vergleicht man aber hierzu die Zahlen auf statista.de, so ist festzustellen, dass der Boom in dieser Branche schon 2016 einsetzte und sich zuvor abzeichnete - genügend Vorlauf, um diesen Trend in der Kostenschätzung zu berücksichtigen, möchte man meinen.

Der Architekt gab sich dennoch zuversichtlich: 42% der Hallenbadposten seien bereits ausgeschrieben (submissiert), die übrigen 58% der Gewerke würden – vielleicht abgesehen von den Fliesenarbeiten – wohl im Kostenrahmen bleiben. Diese Hoffnung können wir nach den bisher gemachten Erfahrungen mit dem Büro nicht teilen: Das bisherige Leistungspaket hätte nach Planungen des 4a-Büros für 7,5 Millionen umgesetzt werden sollen – stattdessen kostet es die Stadt Neutraubling mehr als 9 Millionen, das entspricht einer Kostensteigerung von 23%. So eine Entwicklung hatte keiner der anwesenden Stadträte jemals bei einem Bauprojekt erlebt, betonten viele.

Das neue Hallenbad, das nach Fertigstellung über deutlich mehr Wasserfläche verfügen werde als das alte, entpuppt sich nach Meinung der AKTIVEN Bürger/Grünen zum Millionengrab. Wir wollen ein Sportschwimmbad, das Eintrittspreise aufweist, die bezahlbar bleiben. Gerade angesichts der coronabedingten sinkenden Gewerbesteuereinnahmen, die das Stadtsäckel die nächsten Jahr beeinflussen wird, angesichts der immer noch hohen Baupreise, angesichts der vielen anderen Pflichtaufgaben in punkto Kanalsanierungen etc, sind wir seit Bekanntwerden dieser Entwicklung im Frühjahr für folgendes Vorgehen:
1. Aussetzen der Baumaßnahmen: Dies wird mit jeder weiteren Ausschreibung schwieriger, vor dem Aushub der Grube wäre dies noch einfacher gewesen.
2. Abwarten der Entwicklung: Wir müssen unsere Investitionspläne für die nächsten Jahre völlig überarbeiten, dabei ist dieser 24-30 Millionen-Posten (so genau weiß das auch nach dem Vortrag des Architekten keiner) ein echter Klotz. Auch ist zu erwarten, dass die Baupreise bei sinkender Baulust ebenfalls sinken werden. Derzeit sind die Preise noch so hoch wie zu höchsten Konjunkturzeiten.
 3. Investieren in das alte Hallenbad zur Aufrechterhaltung des Badebetriebs: Wie werden über ein neues Bad nicht herumkommen. Zu viele Gelder sind bereits geflossen. Aber wir AKTIVEN/Grünen wollen auch nicht, dass das alte Hallenbad einfach abgerissen wird, sondern beispielsweise in ein „Haus der Familien“ mit Beratungsmöglichkeiten, Kursangeboten, sozialen Initiativen etc. umgewandelt wird. Dafür ist es wichtig, die solide Bausubstanz zu erhalten. Dies dient jetzt den Badefreuden und später einer Umwidmung.

Dies erfordert ein mutiges, komplettes Umdenken, je eher umso… spät genug.

Bitte teilen Sie uns Ihre Meinung hierzu mit. Sprechen Sie uns an oder mailen Sie uns an info@aktivebuergerneutraubling.de

von Sabine Hrach